Drei Länder – Ein Marathon

Drei Länder – Ein Marathon

Nach 8 Stunden Autofahrt, mit einigen Staus und nervenaufreibenden LKW-Überholmanövern, war die Strapaze wie weggeblasen, als wir in Lindau ankommend, kurz vor der Insel das Plakat sahen, „Welcume Runners“. Eine schöne Geste der Stadt Lindau, die gleich Lust zum Loslaufen machte. Es war warm und herrlicher Sonnenschein, doch der Veranstalter warnte und machte noch einmal darauf aufmerksam, dass das Wetter am Renntag sich deutlich verschlechtern würde. Außerdem, ist an einem so großen See, die Wetterlage immer sehr verschieden, von Ufer zu Ufer. Gott sei Dank, nutzte ich vorher noch die Gelegenheit, um im Lidl-Onlineshop die Sportkollektion zu durchstöbern und holte mir eine  Crivit-3/4 Laufhose. Eine leichte anschmiegsame Laufhose, die  für dieses wechselhaftes Wetter genau das Richtige ist. Dazu noch ein echtes Schnäppchen.

Drei Länder Marathon 1

Da ich ja bereits mit Allem gut ausgestattet war, holten ich nur schnell die Startunterlagen ab und setzte mich mit einem alkoholfreien Weizen vor dem Theater in die Sonne. Die Schulen der Region, nahmen auch zahlreich an dieser Laufveranstaltung teil und schickten ihre Topathleten in den Klassen 1 – 5 zum Bambini Lauf an den Start. Nach reichlich Sonne tanken ging es ins Hotel. Sachen zurechtlegen, Hose ausprobieren, ein leichtes Abendessen und ab in die Federn. Am nächsten Morgen, wie angekündigt, strömender Regen. Ich hasse es im Regen zu laufen. Aber was soll´s, da musste ich jetzt durch. Gott sei Dank, hatte ich das Hotel so gewählt, dass es nicht weit vom Start lag. Somit brauchte ich nur ein paar Meter durch die Altstadt. Ein bisschen überrascht war ich schon, über die Ausgelassenheit der Leute, die das Wetter vollkommen zu ignorieren schienen. Es wurde nach Rock & Roll getanzt und mit alles Selfies festgehalten.

Jetzt wurde es langsam ernst. Aufstellung in den Startblöcken. Ca. 10.000 Läufer, in den Kategorien Marathon, Halbmarathon und Team Lauf, nahmen Aufstellung vor dem berühmten Hafen, zwischen Leuchtturm und Löwen. Dann gab es den Startschuss vom Bürgermeister und mit rockigen Klängen ging es vorbei an der Band, auf die Strecke. Für dieses Wetter, waren doch überraschend viele Leute an der Strecke und sorgten für ordentliche Wettkampfstimmung. Wie vorausgesagt, nach ca. 8 km und auf österreichischem Boden, brach die Sonne durch und vom Regen keine Spur mehr. Jacke ausziehen und die Dreiviertelhose war auch zu warm. Egal, es muss jetzt so gehen. Da das Meiste der Strecke auf dem Radweg (2 m breit) gelegt wurde, war es natürlich schwer aus der Masse auszubrechen um mein Lauftempo aufnehmen zu können. Da hätte ich mich hinter die Kenianer stellen müssen und das wäre wohl ein bisschen übertrieben. Dafür wurde man mit einer super Landschaft und einem Durchlaufen der Freilichtbühne, vorbei am beeindruckenden Bühnenbild Turandots belohnt. Also musste ich bis zur Trennung der Gruppen Marathon und Halbmarathon bei ca. 16 km warten.

Jetzt wurde es deutlich übersichtlicher und ich versuchte in einen gleichmäßigen Tritt zu kommen. Wir verlassen den Bodensee und laufen über Hard, Fußach, und Höchst schnurstracks nach St. Margrethen. Bei km 24 betrete ich zum ersten Mal im Leben, Schweizer Boden. Am Übergang stehen einige junge Leute und begrüßen uns mit wehenden Schweizer Fahnen und getrockneten Aprikosen. Eine kleine Runde durch den Ort, ein bisschen Umland und nach vier km ist schon wieder alles vorbei. Es geht wieder in Richtung Bregenz. Langsam komme ich an den kritischen Punkt, die 30 km Marke. Der Berlinmarathon ist genau eine Woche her und steckt noch ein bisschen in den Knochen. Die Sonne scheint, ich fühle mich gut, Wade und Oberschenkel machen alles anstandslos mit. Wir sind wieder am Bodensee und auf den letzten Kilometern. Hinein nach Bregenz, hindurch durch eine endlose Finishline. Leute klatschen links und rechts, noch eine Schleife und es geht ins Casinostadion. Laute Musik und der Moderator begrüßt jeden einzelnen Läufer.

Geschafft 3:37:41 h. Eigentlich viel zu schnell für diese tolle Gegend. Ich bin zufrieden. Drei Länder Marathon, Deutschland-Österreich-Schweiz. Das alles an einem schönen Spätsommertag bei atemberaubender Kulisse. Das war eine sehr gute Entscheidung. Wer zum Ende der Saison noch ein echtes Highlight sucht, ist hier genau richtig. Und das Beste kommt zum Schluss, man hat danach einen ordentlichen Hunger und Durst. Mit regionale Spezialitäten und reichlich Bier, lässt sich die Stadt weiß Gott nicht lumpen.

Nachmachen dringendst empfohlen!

2 thoughts on “Drei Länder – Ein Marathon

  1. Mir scheint, als gäb es in Lindau nur dann schönes Wetter, wenn grad nicht gelaufen wird 😉 Als ich 2013 mitgelaufen bin, da war es fast ähnlich „frisch“ am Wasser, aber bisher mein schnellster Lauf (wenn auch immer noch langsamer als Dein Ergebnis). Schöner Beitrag!

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